Erich Droste

Liebe Mitglieder und Freunde der Immanueleskirche Bochum, 

Am 28.02.2010 ist Erich Droste im Alter von 94 Jahren heimgegangen. Mit ihm verliert unsere Immanuelskirche nicht nur eines der ältesten Mitglieder, sondern auch eine wichtige Persönlichkeit unserer Gemeinde.

Erich Droste hatte bereits vor der Machtergreifung kritische Distanz zu den Nazis geübt. Durch seinen Freundeskreis war er mit Bochumer Widerständlern und Juden verbunden, die unter dem Terror der Nazis litten und verfolgt worden sind. Einige seiner Freunde und Weggefährten sind noch in Bochum durch die Nazis ermordet worden.

Erich Droste hat damals aus seiner Ablehnung gegenüber dem NS Staat keinen Hehl gemacht. Er hat aktiv geholfen, Juden der Stadt Bochum vor den Nazis zu schützen. Die Anpassung vieler Mitglieder der Immanuelskirche in der damaligen Zeit hat er nicht mitvollzogen und ist deshalb ein leuchtendes Beispiel für einen anderen Lebensweg in einer Diktatur.   

Nach den Erfahrungen von Krieg und Terror war es Erich klar, dass sich eine solche Katastrophe in Deutschland nicht mehr wiederholen durfte. Deshalb ist er nach dem Krieg politisch tätig geworden und in die SPD eingetreten. Erich Droste war ein politisch tätiger und gläubiger Mann. Sein besonderes Interesse galt dabei dem Staat Israel, den er auch besuchte.  

Wir verlieren in ihm einen Mann mit Format und Rückgrat. Erich Droste zeichnete sein bis zuletzt wacher und kritischer Geist aus. Er hat die gesellschaftlichen Ereignisse und Prozesse genau verfolgt und kommentiert. Dabei war Erich Droste den Menschen in seiner Familie, seiner Gemeinde und seiner Heimatstadt Bochum zugewandt. Als Gemeinde verlieren wir einen "Vater in Christo". Wir wissen ihn zu Hause bei Gott, zu dem er nun heimkehren durfte.

Ronald Hentschel
Pastor
Immanuelskirche Bochum

 

Stationen aus dem Leben von Erich Droste

Erich Droste, geboren am 11.11.1915, stammt aus Bochum. Sein Vater, Wilhelm Droste, war Bergmann. Seine Mutter, Emilie Droste starb 1927, so dass Erich als jüngstes von sechs Geschwistern in einen anderen Haushalt gegeben wurde. Er wuchs nun im Haushalt bei Pfr. Krämer auf, der in der evangelischen Matthäus Kirche in Bochum Weitmar seinen Dienst versah. Am 16.03.1930 wurde Erich als Erwachsener getauft – in der Immanuelskirche Bochum. Seit dieser Zeit ist er bis heute Mitglied der Gemeinde gewesen.

In der NS - Zeit hatte Erich Droste engen Kontakt zu den Pfarrern Krämer, Hans Ehrenberg und Albert Schmidt, die sich in Bochum gegen die Nazis wandten und den Widerstand der Bekennenden Kirche organisierten. Da Erich Droste früh mit der Sozialdemokratie in Berührung kam, waren viele seiner Freunde bereits SPD Mitglieder und erlebten die Nazi Zeit als eine Zeit persönlicher Verfolgung. Einige seiner Freunde und Weggefährten sind ums Leben gekommen. Erich Droste erlebte mit, wie Bochumer Juden zur Vernichtung abtransportiert worden sind. Er hat miterlebt, wie die Synagoge in Bochum brannte. In dieser Zeit hat er geholfen, Juden zu verstecken und zu versorgen.

Erich Droste war ein aufrechter Mann, der sich nicht wegduckte, als Menschen verfolgt und erniedrigt worden sind. Jedes Duckmäusertum war im zeitlebens zuwider und so hat er immer seine Meinung gesagt, auch wenn er selbst dadurch Nachteile in Kauf nehmen musste.

Am 27.April 1940 hat Erich Droste Marta Walde geheiratet. Dem Paar wurden vier Mädchen geschenkt. Jedoch überlebten nur zwei die Kindheitsjahre: Annette und Mechthild. Im Krieg war Erich Droste Soldat an der Ostfront. Er war Feuerwerker im Infanterieregiment 58 – diese Spezialisierung kam damals einemglatten Todesurteil nahe. Er erzählte mir, dass nur sehr wenige Kameraden den Krieg überlebt haben.Aufgrund seiner Überzeugungen und seines Glaubens hat sich Erich Droste dem Nazionalsozialismus verweigert. Er ist nicht in die NSDAP eingetreten, als er dazu aufgefordert wurde. In einer Zeit, in der viele sich wegduckten, oder sich anpassten, hat er Mut und Rückgrat bewiesen.

1945 ist er im Osten in russische Gefangenschaft gekommen. Aber schon 1946 ist er entlassen worden. Sein zuständiger russischer Offizier, der ihn im Gefangenenlager verhörte, war ein Jude aus Bochum, der ihn aus der Zeit vor dem Krieg kannte und ihn zurück nach Hause schickte. Der Bochumer Jude war Kommunist, wie viele aus Erich Drostes Bochumer Bekanntenkreis. Sein Kommentar zu dieser einzigartigen Geschichte: „Da hat der liebe Herrgott beide Hände über Erich Droste gehalten“.

Nach dem Krieg war Erich Droste zunächst in einer Kommission tätig, die für die Alliierten die Entnazifizierung von Beamten durchführte. Nach dieser Zeit arbeitete er, in unterschiedlichen Funktionen für die Stadt Bochum (Sozialamt, Kämmerei) und wurde selbst (1946) Mitglied der SPD.

Erich Droste war ein Mensch, der ein weites Herz hatte. Er war großzügig und half oft Menschen, die es schwer im Leben hatten. Er war lange Jahre ehrenamtlich als Schöffe tätig, engagierte sich in der Gewerkschaftsbewegung und im „Kriegsdienstverweigerungsausschuss“.

Erich Droste war bis zum Ende seines Lebens ein wacher Geist geschenkt. Er lebte ganz im hier und jetzt, war interessiert an vielen aktuellen gesellschaftlichen Fragen. Wer wollte, konnte gern mit ihm streiten. Das hat ihn nicht davon abgehalten, Menschen zu mögen. Von seinen Enkeln hat er gerne erzählt und man spürte ihm ab, wie gerne er sie hatte. 

Aber Erich Droste war auch ein kritischer Mensch. Es hat ihn aufgeregt, dass in unserer Gemeinde, der Immanuelskirche, Menschen in der Nazizeit mit Parteiabzeichen und Uniform gepredigt haben. Es hat ihn geärgert, dass manche dunkle Geschichte nicht aufgearbeitet worden ist und alle ganz schnell nach dem Krieg zur Tagesordnung übergegangen sind. Unrecht, egal in welchem Zusammenhang, wollte er nicht hinnehmen.

1985 ist seine Frau Marta gestorben. Erich hat darunter gelitten, fühlte er sich doch an den frühen Tod seiner Mutter erinnert.

Halt und Hilfe fand er damals in seiner Familie, aber besonders auch bei Pastor Hans Joachim Kolbe. Bis zum Ende seines Lebens hielt diese Freundschaft.

Erich Droste war gerne im Seniorenkreis unserer Gemeinde. Fast jeden dort kannte er persönlich. Er hatte für viele einen lieben Satz, eine aufmunternde Geste. Ein beliebter älterer Herr, der ganz offen anderen Menschen begegnete.

Am 28.02.2010 ist Erich Droste heimgegangen zu Gott. Ich werde ihn niemals vergessen. Er war ein besonderer Mann. Aufrecht, wach, geistvoll, witzig. Ganz im hier und jetzt lebend. Ein „Vater in Christo“. Ein Mann nach dem Herzen Gottes.

Deshalb, liebe Trauergemeinde, soll sich unter die Trauer auchDankbarkeit mischen. Ein Lebensweg hat sich vollendet. Ein Lauf ist absolviert. Erich Droste ist am Ziel angekommen. Der Gerechte wird immer von Gott mit offenen Armen empfangen!

Ronald Hentschel