Max und Meta Michaelis

Mitschrift Gespräch Meta Lauterjung, Ursula Handelmann und Erika Leutgen Solingen, 8. Mai 2009 10.00 Uhr, 28. Mai 2009 10.00 Uhr und 8. Oktober 2009 10.30 Uhr

Max Michaelis, geboren am 10.07.1898 in Pielburg, Kreis Kollberg (Pommern). Gestorben vermutlich auf einem „Todesmarsch“ des KZ Buchenwald in Richtung Borna (Sachsen im April 19451).

Max Michaelis stammte aus einer Familie assimilierter Juden. Wohnort der Familie war Kollberg. Max Michaelis lernte den Beruf des Bäckers und Konditors. Später betrieb er in Berlin eine eigene Bäckerei.

Im 1.Weltkrieg ist Max Michaelis Soldat.Max und Meta Michaelis Er ist als 17jähriger Freiwilliger im Baltikum stationiert und nimmt dort an Kämpfen teil. Er erhält eine Tapferkeitsmedallie und das Eiserne Kreuz2.

Am 15. Juni 1921 heiratet Max Michaelis in Berlin seine Frau, Meta Weihs. Sie stammte eigentlich aus dem Kreis Allenstein in Ostpreußen und arbeitete aber in den 20iger Jahren als Frisöse in Berlin. Vermutlich lernten sich beide dort kennen. Noch nicht bestätigt: Es gab vermutlich Beziehungen zu einer Baptistengemeinde in Berlin (Neukölln?). Meta Michaelis, geborene Weihs ist Deutsche (Arierin). In ihrer Familie sind besonders ihre Brüder Nazis. Das Ehepaar führt eine Mischehe. Der NS Staat versucht, die Mutter zur Scheidung zu überreden, die sie jedoch verweigert. Das Paar führt amtlicherseits eine „privilegierte Mischehe3“.

Die Mutter mütterlicherseits, Anna Weihs, ist Mitglied in Gelsenkirchen Blumendelle, vermutlich zog die Familie z.Teil in der Weltwirtschaftskrise der 20iger Jahre ins Ruhrgebiet. Die Familie von Max und Meta zieht aus den gleichen Gründen ins Ruhrgebiet.

Die Tochter geht mit zur Gemeinde. Sie ist, zusammen mit ihrer Mutter, dort Mitglied der Blumendelle. Max Michaelis lernt so die Gemeinde kennen, da er mit zu den Gottesdiensten geht. 1923 zieht die Familie nach Wattenscheid um. Durch den Umzug nach Wattenscheid kommt die Familie auch räumlich näher zur Immanuelskirche in Bochum, auf der Hermannshöhe.

Max Michaelis arbeitet auf der Zeche Centrum in Wattenscheid. Die Familie lebt in Wattenscheid, Hammer Straße 2. In der Weltwirtschaftkrise der 20iger Jahre ist er sieben Jahre hintereinander arbeitslos und muss seine Familie so gut es geht, ernähren. Unter anderen unterstützt ihn dabei die Gärtnerei Strieder aus Wattenscheid (Mitglieder der Immanuelskirche Bochum). Die Familie Max Michaelis besteht aus: Der Ehefrau Meta, dem Sohn Herbert, geboren 1921, der durch ein Unglück 1925 oder 1926 ums Leben kommt. Dazu die Töchter: Ruth, geboren 1923 (die nur einen Tag lebt), Meta, geboren am 17.05.1923, Magdalene, geboren am 21.09.1927, Erika, geboren 20.10.1933 und Ursula, geboren am 03.02. 1944.

Max Michaelis wird in der Immanuelskirche auf der Hermannshöhe getauft – etwa 1927/19284. Vor seiner Taufe gibt es offenbar große Diskussionen in der Gemeinde. Ein Ältester aber hält große Stücke auf ihn: „Ein Israelit, an dem kein Fehl ist“, so wird ein Ausspruch überliefert, der die Entscheidung zur Taufe erst möglich gemacht hat. Einer seiner leiblichen Brüder wird ebenfalls Christ: Herbert Michaelis. Er wandert in die USA aus. Ein weiterer leiblicher Bruder, Alfred, wird in den 30iger Jahren in einem Schauprozess zum Tode verurteilt und hingerichtet5.

Max Michaelis leitet zunächst eine Stubenversammlung in Wattenscheid, Hammer Straße 2. Das ist ca. 1928-1930. Diese Stubenversammlung wird sehr gut von der Bevölkerung angenommen, noch heute gibt es in Bochum Menschen, die sich an seine Art zu predigen, gerne erinnern. Max Michaelis führt auch Evangelisationen durch. Friedrich Sondheimer ist mit seinem „Missionswagen“ in Wattenscheid. Später baut er in Eigenregie einen Pferdestall zum Gemeindesaal um – hier trifft sich die Zweiggemeinde Wattenscheid. Danach ist Max Michaelis, Hausmeister und Leiter der Zweiggemeinde in Wattenscheid, Bochumer Straße 36. Die Gemeinde kam auf ihn zu, um ihn nach den sieben Jahren Arbeitslosigkeit anzustellen. Die Familie wohnt zu diesem Zeitpunkt im Gemeindehaus. Die Töchter erinnern, etwa 1927 bis 1930 die Anstellung des Vaters in der Zweiggemeinde Wattenscheid. Max Michaelis ist missionarisch aktiv – verteilt viel und gerne den „Friedensboten“. Menschen werden von ihm auf der Straße angesprochen, ob sie Jesus lieben und kennen. Es kommen Menschen zum Glauben.

Aber 1935 wird Max Michaelis aus der Gemeindearbeit (Nürnberger Rassegesetze6) entlassen. Jedenfalls erfolgt wohl bereits 1933 eine Zurückstufung. Er darf nur noch Hausmeister sein. 1935, zum Zeitpunkt der Entlassung, muss er mit seiner Familie das Gemeindehaus in kurzer Zeit verlassen und steht mit seiner Familie mittellos auf der Straße. Dennoch redet Max Michaelis fast ehrfürchtig von der Gemeinde und wird nicht irre an ihr. Er betet für viele Menschen aus der Gemeinde. Sein Glaube bleibt ungebrochen.

Ab 1938 ist Max Michaelis KZ Insasse in Bergkamen. Er baut am Autobahnkreuz A1/A2 mit und ist auch bei der Firma Fromm in Bochum zur Zwangsarbeit eingeteilt. Er kann von Bergkamen aber immer noch nach Hause. Vermutlich fällt er unter eine Verordnung zur „Zwangsarbeit“ von „privilegierten Mischehen“, siehe Fußnote 3.

In der Zeit zwischen 1936 und 1938 muss es in der Zweiggemeinde Bärendorf, in deren Räumen auch die Familien Michaelis und Häsings wohnen, zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Max Michaelis und einem Mitglied der Gemeinde gekommen sein. Zwei Vorstandsprotokolle von 1938 beschäftigen sich mit dieser Auseinandersetzung, leider so vage, dass man nur vermuten kann, was den Anstoß zum Streit gab:

„Bedenkliches Verhalten von Mitgliedern: Br. Karl Bollmann ist der Vorladung gefolgt. Seine Darlegungen gipfelt in der Anschuldigung gegen den Vorstand und seinen Vorsitzenden7, dass er wegen der Auseinandersetzung mit Br. Michaelis bis zum 1.10.1936 beurlaubt wurde, ohne nach Ablauf dieser Frist wieder zum Predigtdienst und zur Mitarbeit als Stationsleiter und Vorstandsmitglied herangezogen zu werden. Die mehrseitigen Versuche, ihn zu bewegen, gleichsam einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen und Versöhnlichkeit zu beweisen, scheitern an seiner selbstgerechten und starrsinnigen Art, so dass er mit der Aufforderung entlassen werden musste, sich in Ruhe zu besinnen. Vor weiteren Stellungnahmen sollte die unsicheren Erinnerungen an die damaligen Vorgänge und Beschlüsse durch Einsicht der bereits abgelegten Protokolle gefestigt werden.“8

In der nächsten Sitzung setzte der Disput um Max Michaelis sich jedoch fort. Im Protokoll wird berichtet:

„Dem ungeladen erschienenen Br. Karl Bollmann werden, um ihn von seiner falschen Einstellung zu Br. Janssen und dem Vorstand zu überzeugen, die seine Angelegenheit betreffenden Stellen aus den früheren Protokollen vorgelesen. Daraufhin reicht er mit der ironischen Bemerkung, nunmehr über den Vorstand im Bilde zu sein, Br. Janssen die Hand zur Versöhnung, lässt aber trotz eindringlichen Zuredens in seinen weiteren, selbstgerechten, starrsinnigen und verletzenden Äußerungen erkennen, dass er trotz der Bemerkung, auch nichts mehr gegen den Vorstand sagen zu wollen, diesem weiterhin grollt, weil ihm der Predigtdienst und die Stationsleitung entzogen blieben. Der nach seinem Fortgang gestellte Antrag auf Ausschluss wird bis Ende Januar zurückgestellt. Dagegen werden die Br. Vahldiek, Boueke und Sareyka9 beauftragt, ihm zu sagen, dass er eventuell mit seinem Ausschluss rechnen müsse, wenn er nicht die Versammlungen wieder besuche und nicht gegenüber dem Vorstand volle Versöhnlichkeit und Nachgiebigkeit beweise.“10

Leider existieren die Protokolle von 1936 nicht mehr. Sie sind vermutlich im Bombenvolltreffer, den die Immanuelskirche Anfang November 1944 erhielt, verbrannt. Klar ist jedoch, dass eine erhebliche Auseinandersetzung zwischen Vorstand und Station, zwischen Mitgliedern des Gemeindevorstandes selbst, getobt haben muss. Im Mittelpunkt steht dabei Max Michaelis, dessen bloße Anwesenheit offensichtlich zu den schweren Differenzen geführt hat.

Mehrmals wird Max Michaelis verhaftet. Ab 1943 werden auch andere Juden aus „privilegierten Mischehen“ immer häufiger verhaftet und in KZs oder Vernichtungslager verbracht. Max Michaelis kommt erst in das Sammellager Oestrich, dann auf Grund eines Haftbefehls der Staatspolizei am 27.09.1944 in die Steinwache in Dortmund verbracht. Die Steinwache liegt direkt neben dem Dortmunder Hauptbahnhof und dient der Gestapo als zentrales Gefängnis für das Ruhrgebiet. Die Steinwache galt im Sprachgebrauch des Ruhrgebiets als „Hölle Westdeutschlands“. Im Keller der Steinwache wird gefoltert, darüber liegen in mehreren Geschossen die Häftlingszellen. Dort werden Juden aus Mischehen gesammelt, um sie entweder in die Vernichtungslager des Ostens, oder in andere KZ zu verbringen. Max Michaelis bleibt bis zum 16.11.1944 in der Steinwache. Dann wird er „entlassen“ und in das Polizeigefängnis Herne überführt.

Die Recherche der Töchter zum Verbleib des Vaters ergeben 2008, dass der Vater aus dem KZ Neuengamme (bei Hamburg) in das KZ Buchenwald verlegt worden ist11. Ab dem 2. Dezember 1944 ist Max Michaelis als „politischer Jude“ Häftling im KZ Buchenwald. Seine Häftlingsnummer lautet: 38585. Vor ihm hat der Franzose Romilly sur Andelle diese Nummer getragen. Wenn sie frei ist, bedeutet das vermutlich den Tod des politischen Häftlings aus Frankreich. Max Michaelis ist Häftling im Block 43. Aus dem KZ Buchenwald kann er noch einen Brief an seine Familie schreiben. Über seinen persönlichen Zeilen befindet sich ein Auszug aus der Lagerordnung, der mit folgenden Zeilen beginnt:

„Der Tag der Entlassung kann jetzt noch nichtangegeben werden. Besuche im Lager sind verboten. Anfragen sind zwecklos.“12

Michaelis schreibt in seinem Brief an die Familie:

„Liebe Frau und Kinder, hoffentlich seid ihr alle noch gesund wie Gleiches kann ich auch von mir mitteilen. Schickt mir meinen Brotbeutel, Näh- und Stopfzeug, Fußlappen. Lebensmittel darfst du schicken. Kochgelegenheit ist hier. Es wäre gut, wenn Du alles in einen Koffer von ½ Meter mitschicken würdest. Den Schlüssel in den Koffer legen. Liebe Mutti, schreib bald wieder, was machen die Kinder? Ich gratuliere Ursula zum Geburtstag…So seid alle herzlich gegrüßt von Eurem Papa…meine genaue Anschrift: Schutzhäftling Max Israel Michaelis Nr.38585 Block 19 Weimar Buchenwald.“13

Am 8. Januar wird ein Transport in das Außenlager Flößberg14 zusammengestellt. Dort betreibt die Hugo-Schneider-AG Leipzig (HASAG) ein Außenlager. Die HASAG war ein florierendes Rüstungsunternehmen, welches mit Hilfe vieler Zwangsarbeiter in Sachsen, aber auch im besetzten Polen und Mähren arbeitete. Auf der Liste der Männer, die in das Außenlager verlegt worden sind, steht auch der Name von Max Michaelis. Damit verliert sich seine Spur. Im Archivauszug des KZ Buchenwald wird zwar noch ein Todesmarsch der Häftlinge des Außenlagers angedeutet, es wird aber nicht klar geäußert, dass Max Michaelis die unbeschreiblichen Zustände des Lagerlebens so weit ertrug, um dann noch auf den Marsch zu gehen:

„Zwischen 12. und 17. April 1945 mussten die Häftlinge zu Fuß Richtung Terezinstadt/ Mauthhausen marschieren, da das Außenlager an diesem Tage evakuiert wurde. Weitere Informationen stehen uns leider nicht zur Verfügung“15.

Meta Lauterjung als älteste Tochter, wird 1938 in der Hermannshöhe durch Prediger Eltje Janssen, im Beisein ihres Vaters, getauft. Aber auch ihre Schwester Magdalene, wird im Gemeinderegister als Mitglied geführt. Bis zum Juni 1944 gibt es immer wieder Hinweise auf die Familie Michaelis. Entweder im jährlich erscheinenden Gemeindeverzeichnis, oder in Vorstandsprotokollen. Die Mitgliedschaft der Kinder Meta und Magdalene endet durch Umzug. Am 30.1.1942 wird Meta Michaelis – die Mutter der Familie – wieder im Verzeichnis der Hermannshöhe geführt. Sie ist von Schalksmühle zurück nach Bochum gekommen und Mitglied in der Zweiggemeinde Bärendorf16. Die letzte Eintragung zu Max Michaelis stammt aus einem Vorstandsprotokoll vom 4. Juni 1944. Lapidar heißt es dort:

„4. Geschwister, die um ihre Streichung gebeten haben: Br. Max Michaelis, Bärendorf“17.

Zu diesem Zeitpunkt saß Max Michaelis bereits in der berüchtigten Steinwache in Dortmund oder im KZ Neuengamme ein. Warum wurde er dann „auf eigenen Wunsch“ aus der Gemeinde entlassen? Seine Töchter bezeugen glaubhaft, dass er selber einen solchen Schritt niemals unternommen hätte, da er die Gemeinde über alles liebte. Welcher Hintergrund ist anzunehmen? Hat seine Entlassung aus der Gemeinde, oder sogar seine Verhaftung und Verbringung nach Dortmund etwas mit Oskar Vetter18 zu tun? Oskar Vetter wird von zwei unterschiedlichen Seiten19 als verantwortlicher Täter beschrieben, der maßgeblich an der Verhaftung von Max Michaelis mitgewirkt habe. Nachweisen lässt sich diese Annahme anhand unabhängiger Quellen, zur Zeit nicht. Aber immerhin saß Oskar Vetter für die Zweiggemeinde Bochum Werne ausgerechnet ab 1933 in Gemeindevorstand der Immanuelskirche. Kann es sein dass er ein Mitglied aus seiner Gemeinde verraten hat? Oder ist er unschuldig? Konnte er am Ende seine Hände in Unschuld waschen? Aufhorchen lässt in der Erzählung der Kinder ein Anruf, den ihre Mutter erhalten hat. Wenn sie ihren Mann noch mal sehen möchte (in der Steinwache, Dortmund), dann solle sie sich jetzt auf den Weg machen, später wird es keine Gelegenheit mehr für ein Treffen geben. Da muss ein Insider telefoniert haben, der viel mehr wusste, als er sagte!

Meta Lauterjung versuchte nach dem Krieg eine Aufarbeitung ihrer Familiengeschichte. Sie besucht Bochum und will Kontakt zu den Verantwortlichen der Gemeinde aufzubauen – wird aber abgewiesen.

Dennoch erhält die Familie Michaelis Hilfe auch durch Bochumer Christen (Baptisten). Familie Häsing, besonders die Mutter Ida Häsing, aus der Gemeinde in Bärendorf (Heute Bochum West) unterstützt und hilft. Teilweise wohnt Familie Michaelis mit ihren Kindern in der Wohnung der Häsings. Der Familie gelingt es später, nach Schalksmühle (Sauerland) umzuziehen. Während es Mutter und Kindern gelingt, den Krieg zu überleben, stirbt Max Michaelis ver-mutlich im Außenlager Flößberg, spätestens aber bei der Auflösung des Lagers im April 1945.

In der Schoah kommen insgesamt 20 Familienmitglieder der väterlichen Seite der Familie Michaelis ums Leben.

Beschämend ist aus heutiger Sicht besonders, dass die Familiengeschichte und die Tragödie der Familie Michaelis jahrzehntelang in der Gemeinde verschwiegen worden ist. In wie weit Verantwortliche der Gemeinde Schuld auf sich geladen haben, lässt sich im Einzelnen bisher nicht klar nachweisen, nur vermuten. Aber eine moralische Verantwortung ist nach dem Krieg abgelehnt worden, in dem z.B. in der Festschrift der Zweiggemeinde Wattenscheid zum 25. Jährigen Jubiläum jeder Hinweis auf den Gründer der Gemeinde, Max Michaelis, fehlt und der Tochter Meta Lauterjung ein Gespräch verweigert worden ist. Die Töchter von Max und Meta Michaelis erzählen dann auch von ihrem Leben, dass sie sich regelrecht stigmatisiert glaubten. Überall setzte hinter ihrem Rücken Tuschelei ein. Sie waren gekennzeichnet und gebrandmarkt.

Ronald Hentschel Pastor der Immanuelskirche Bochum, Stand 08.10.2009

--------------------------------------------------------------------------------

1 Als sich Anfang April 1945 die 3. US-Army dem Lager näherte, versuchte die SS auf Weisung Himmlers, das Lager zu evakuieren. Etwa 47.500 Menschen waren am 6. April 1945 im Konzentrationslager inhaftiert, 22.900 davon im Hauptlager, 18.000 in den Pferdeställen des Kleinen Lagers. 6.600 Juden waren schon am 5. April auf dem Gelände der Deutschen Ausrüstungswerke zusammengetrieben worden. Vom 7. bis 10. April 1945 verließen auf etwa 60 Routen 28.000 Menschen des Stammlagers und mindestens 10.000 Häftlinge der Außenlager das Konzentrationslager Buchenwald in Richtung der KZ Dachau, KZ Flossenbürg und Theresienstadt. Auf diesen Todesmärschen und Evakuierungszügen starben zwischen 12.000 und 15.000 Menschen (aus einem Wikipedia Artikel über das KZ Buchenwald).

2 Das führte zum „Frontkämpferprivileg“ in der Nazi Zeit. Solche Männer sind erst deutlich nach dem Inkrafttreten des Paragraphen über das „Berufsbeamtentums“ aus dem öffentlichen Dienst entlassen worden.

3 Privilegierte Mischehe: Nazijargon! Er bedeutet, dass Kinder aus Mischehen nicht im religiösen Judentum lebten. So eine Mischehe Kinder hatte, musste der jüdische Partner der Eheleute keinen Judenstern in der Öffentlichkeit tragen. Eine kinderlose Mischehe war demnach keinesfalls „privilegiert“. In solchen Fällen griffen alle Maßnahmen des NS Staates gegen Juden. Aber: Auch in „privilegierten“ Mischehen wurden Geschäfte enteignet, Namenszusätze in die Ausweise eingetragen („Israel“, „Sara“). Ab 1940 wurden jüdische Angehörige aus Mischehen meistens zur Zwangsarbeit, ab 1943, spätestens ab 1944 waren die meisten jüdischen Partner aus „privilegierten Mischehen“ mit dem Tode bedroht. 1943 setzte die Kasernierung und Verhaftung ein, die zum Ziel hatte, die Angehörigen zu ermorden.

4 Getauft durch Johannes Fleischer?

5 Die Kenntnisse der Töchter von Max Michaelis sind an dieser Stelle ausgesprochen dünn. Mehr als der reine Fakt war leider nicht zu erfahren.

6 Die Nürnberger Gesetze, auch Nürnberger Rassengesetze genannt, wurden am 15. September 1935 anlässlich des 7. Reichsparteitags der NSDAP („Reichsparteitag der Freiheit“) in Nürnberg vom Reichstag angenommen und vom damaligen Reichstagspräsidenten Hermann Göring feierlich verkündet. Der Reichstag war eigens zu diesem Zweck telegrafisch nach Nürnberg einberufen worden. Er erfüllte seinen Auftrag am Abend des 15. September einstimmig. Mit diesen Gesetzen institutionalisierten die Nationalsozialisten ihre antisemitische Ideologie auf juristischer Grundlage (Wikipedia Artikel zu den Nürnberger Rassegesetzen).

7 Den Vorsitz führte stets Eltje Janssen, als Prediger und Ältester der Gesamtgemeinde.

8 Siehe Vorstandsprotokolle der Jahre 1937 folgende im Archiv der Immanuelskirche, Bochum, Vorstandsprotokoll vom 21.10.1938.

9 In einem vergleichbaren Vorstandsprotokoll vom 5.2.1937 wird wiedergegeben, dass ein Br. Karl Sareyka wegen seiner NS Weltanschauung aus der der Zweiggemeinde in Wattenscheid ausgeschlossen worden ist. Im Protokoll vom 17.12.1937 wird von Wilhelm und Ilse Eickmann berichtet, die mit ihrer NS Weltanschauung viel an der Gemeinde auszusetzen haben. Eickmanns sind sowohl mit Oskar Vetter, wie auch mit dem NS Oberbür-germeister von Bochum, Dr. Piclum eng befreundet. Voller Stolz kennzeichnen sie ihr Geschäft in Bochum mit dem Satz: Hier werden Juden nicht bedient! (Quelle: Erich Droste). Zu Eickmann: Brief an die Stadtverwaltung Bochum, vom 13.August 1935 in: Hakenkreuz über Bochum, Seite 356.

10 Siehe Vorstandsprotokolle der Jahre 1937 folgende im Archiv der Immanuelskirche, Bochum, Vorstandsprotokoll vom 25.11.1938.

11 Siehe Mitteilung aus der Häftlingsnummernkartei Buchenwald, die dem Autor vorliegt.

12 Undatierter Brief von Max Michaelis aus dem KZ Buchenwald, vermutlich Dezember 1944.

13 AaO.

14 Anders als in Colditz konnte die HASAG in Flößberg nicht auf vorhandene Werkanlagen zurückgreifen. Dennoch nutzte sie alles, was vorhanden, um auf schnellstem Weg hier einen Produktionsstandort entstehen zu lassen. So musste Anfang des Jahres 1945 der zuständige Förster feststellen, dass eine Baracke, die für Waldar-beiter bestimmt war, von der HASAG in Beschlag genommen worden war. Ähnlich erging es den Eigentümern des Feldes am Rande des "Großen Fürstenholzes", auf denen das Häftlingslager errichtet wurde. Sie hatten keine Wahl, mussten ihr Land zur Verfügung stellen. Die Bautätigkeit, die einsetzte, war offensichtlich sehr hektisch, aber das Lager und die Werkanlagen blieben immer Fremdkörper für das Dorf, auch wenn teilweise Ausflugziel der Einheimischen war. Bevor in Flößberg KZ-Häftlinge zum Einsatz kamen, waren wahrscheinlich schon viele fremde Arbeiter im Einsatz. Dabei waren wohl auch Ausländer, die in den umliegenden Gasthöfen untergebracht waren. Die Bauarbeiten, die durchgeführt wurden, bestanden in der Errichtung eines umzäunten Barackenlagers, der Rodung von Flächen im Wald und der Verlegung von Eisenbahngleisen. Außerdem wurden noch Erdarbeiten zur Errichtung von Abfüllanlagen und die Aufstellung von Produktionsbaracken durchgeführt. Zwar war nicht unbedingt die Rede davon, dass KZ-Häftlinge hierher kommen sollten, aber beim Bau des Barackenlagers war davon die Rede, dass diese für "2000 Juden" bestimmt sind. Die Beschlagnahmen des Geländes fanden Ende November 1944 statt. Der Einsatz von KZ-Häftlingen begann fast einen Monat später, am 29. Dezember 1944. Die erste Transportliste aus Buchenwald für Flößberg ist auch den 28. Dezember 1944 datiert. Diese 150 Häftlinge müssen am Folgetag in Flößberg eingetroffen sein, denn durch die Arbeitsstatistik wurden noch für das Jahr 1944 für Flößberg eine entsprechende Anzahl Arbeitstage bzw. Arbeitsstunden abgerechnet. Der zweite Häftlingstransport aus Buchenwald ist auf den 8. Januar 1945 datiert und hatte ebenfalls eine Stärke von 150 Häftlingen. Am 24. Januar wurden weitere 170 Häftlinge vom 6 Stammwerk der HASAG in Leipzig nach Flößberg geschickt während der erste Invalidentransport mit ursprüng-lich 58 Häftlingen von Flößberg nach Buchenwald zurückgeschickt wurde. Am 2. Februar 1945 wurden weitere 400 Häftlinge nach Flößberg geschickt. Ein Transport aus Schlieben vom 6. Februar, dem nur 15 Häftlinge angehörten, erreichte laut Buchenwaldstatistik erst am 12. Februar das Lager. Am 7. Februar wurden wiederum 56 Invaliden von Flößberg nach Buchenwald gebracht. Die nächste große Veränderung fand am 17. Februar 1945 statt. 231 Häftlinge aus Flößberg wurden wegen Arbeitsunfähigkeit ins Stammlager zurückgeschickt. Ebenfalls auf diesen Tag datiert ist der Transport von 540 Häftlingen aus dem Schliebener Werk, die aber erst am 24. Februar in der Flößberger Statistik auftauchen. Am 27. Februar 1945 entsandte das Stammlager noch einmal 350 Häftlinge nach Flößberg und am 2. März 230 Häftlinge zurückgeschickt. Damit waren insgesamt 1902 Häftlinge nach Flößberg geschickt worden, von denen 575 wieder nach Buchenwald zurückgeschickt wurden. In Buchenwald wurde aber nur die Rückkehr von 572 Häftlingen registriert. Beim ersten Rücktransport waren drei Häftlinge gestorben, die nicht mehr in dieser Statistik auftauchten. Das Schicksal dieser zurückgeschickten Häftlinge verlief sehr unterschiedlich: In 226 Fällen wurde der Tod im LAger Buchenwald festgestellt. Andere Häftlinge erholten sich offenbar wieder und wurden zu anderen Ar-beitseinsätzen geschickt. Bekannt sind bisher die Kommandos S III und Altenburg: Einige Häftlinge kamen auch in andere Lager, wie nach Natzweiler. Das HASAG-Lager in Flößberg war im Grund eine Baustelle, auf der ein neues Werk errichtet werden sollte. Das Häftlingeslager war auf einem Feld an der Straße von Flößberg nach Beucha errichtet. Um das eigentlich Werk zu errichten, musste der angrenzende Wald zumindest teilweise gerodet werden und es mussten Gleise verlegt werden. Diese Arbeiten bedeuteten Schwerstarbeit, aber das LAger galt als "Judenkommando". Und selbst im KZ-System waren die Juden "das Letzte". entsprechend waren die Bedingungen im Lager. Ohne irgendwelche Versorgung mit Wasser, keine Kläranlagen, dazu Hungerrationen - Überlebende berichteten, dass Flößberg das schlimmste Lager war, was sie erlebten. Es dauerte auch nicht lange, bis es zum ersten Todesfall kam. Am 10. Januar 1945 starb der erste Häftling. Die letzten Meldungen über Todesfälle in Flößberg wurden in Buchenwald am 4. April 1945 verzeichnet. Bis dahin hatte man 192 Namen registriert. Das bedeutet aber nicht, dass damit alle Toten, die der Arbeitseinsatz in Flößberg gefordert hatte, tatsächlich erfasst waren. Der letzte gemeldete Todesfall ereignete sich am 27. März 1945 gegen 5.00 Uhr. Bis zur Evakuierung waren es ab diesem Zeitpunkt noch mindestens 16 Tage. Wie viele Häftlinge in dieser Zeit noch verstarben ist nicht bekannt. Die Toten des Lagers wurden zuerst nach Leipzig gebracht, wo sie auf dem Südfriedhof verbrannt wurden. Die Urnen wurden nach Buchenwald überstellt. Ab Ende Januar wurden dann die Leichen der Häftlinge nach Buchenwald geschafft. Die Umstände dieser Transporte sind bisher nicht geklärt, auch nicht, wann der letzte stattfand. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sind in 72 Fällen die Toten nach Buchenwald gebracht worden. Diese Zahl ergibt sich aus den Todesmeldungen. In 136 Fällen kann davon ausgegangen werden, dass die Leichen im Flößberg geblieben sind. Das ergibt sich aus den heute bekannten Zahlen über die Beerdigungsstätten dieser Opfer. Danach sind in einem Ehrenhain in Borna 98 und im Waldfriedhof in Flößberg 38 Opfer begraben. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass die Zahl der Opfer, die unmittelbar in Flößberg zu Tode kamen, mindestens 235 beträgt. In 17 namentlich be-kannten Fällen ist nicht klar, ob die Opfer nach Buchenwald kamen oder in Flößberg blieben. Zu den gemelde-ten Todesfällen wurden im Stammlager Buchenwald vom Lagerarzt Listen geführt, die unter anderem auch Angaben zur Todesursache enthielten. Auch hier gab es, ähnlich wie in anderen Bereichen einige eigene "Lagersprache", wie ja generell das massenhafte Töten in der Zeit des Nationalsozialismus mit einer umschreibenden Sprache verharmlost wurde. Gerade in die Baukommandos, zu denen man Flößberg zählen kann, wurde die "Vernichtung durch Arbeit" exemplarisch umgesetzt: Schwerste Arbeit bei unzureichender Versorgung - auf diesem Weg starben die Arbeitskräfte irgendwann sowieso. Dazu gehörte auch, die se Sklaven psychisch zu brechen, was in Flößberg wohl oft gelang. In manchen Fällen wurde dann auch offen Selbstmord als Todesursache angegeben, wie z. B. am 23. Februar 1945, als sich ein Häftling vor einen Zug warf. Es gab auch eine Anzahl Fälle, in denen Häftlinge, meist durch Erschießen, getötet wurden. Das waren jene Fälle, in denen Herz bzw. Kreislauf oder beides „akut“ versagten. In Flößberg diagnostizierte man 32 mal ein solches Versagen. Andere Todesursachen, wie z. B. Gehirnerschütterung, lassen auf massive Gewalteinwirkung schließen. Nicht zum Lager gehörende Augenzeugen berichteten, dass in einigen Fällen die Häftlinge zu Tode geprügelt wurden. Für diese Art der Verschleierung war auch der Lagerarzt von Flößberg verantwortlich, ein damals in Colditz ansässiger Arzt, der auch für die Zwangsarbeiter in der Steingutfabrik Colditz und die Häftlinge im Außenlager der Hasag in Colditz zuständig war. Und auch die Häftlinge, die ins Stammlager zurückgeschickt wurden, starben keineswegs immer einen natürlichen Tod - der ja in Hinsicht auf sein Zustandekommen auf die unmenschlichen Bedingungen zurückzuführen war -, sondern wurden gerade im Februar und März 1945 regelrecht hingerichtet. Dies wird schon deutlich, wenn man sich den Ablauf des Sterbens ansieht, wie z. B. am 27. Februar 1945, als zwischen 8.00 und 13.00 Uhr allein 20 aus Flößberg nach Buchenwald zurückgeschickte Häftlinge starben. Es waren dies Tötungsaktionen, an denen auch Funktionshäftlinge beteiligt waren, die auf diese Weise für Platz in den Baracken sorgten, in denen die Kranken untergebracht waren. Doch letztlich lag die Hauptverantwortung dafür bei der SS, die dieses Lagersystem aufgebaut hatte. Nach Angaben eines im Lager eingesetzten Deutschen wurde das Lager an einem Donnerstag geräumt. Dies muss der 12. April 1945 gewesen sein. Am 13. April war jedenfalls, so bestätigt ein anderer Augenzeuge, das Lager aufgelöst. Lange Zeit wurde behauptet, dass die Häftlinge des Lager irgendwo im hiesigen Raum bei einem Massaker umgebracht worden. Tatsächlich wurden sie aber mit der Bahn über das damalige Protektorat nach Mauthau-sen gebracht. Laut der letzten Stärkemeldung waren am 4. April 1945 noch 1144 Häftlinge im Lager Flößberg. Wie viele aber tatsächlich nach Mauthausen abtransportiert wurden und auch dort lebend ankamen, ist bisher noch nicht erforscht. Bekannt ist nur, dass unterwegs die Leichen der verstorbenen Häftlinge zum Teil an den Bahnstrecken beerdigt wurden. Einer ebenfalls unbekannten Anzahl Häftlingen gelang bei diesem Transport auch die Flucht. Beschreibung nach www.club-courage.eu/hasag.

15 Brief der Gedenkstätte Buchenwald/Archiv an Ursula Handelmann-Michaelis vom 05.11.08.

16 Heute: EFG Bochum West in der Vereinsstraße.

17 Siehe Vorstandsprotokolle der Jahre 1937 folgende im Archiv der Immanuelskirche, Bochum. Vorstandsprotokoll vom 4. Juni 1944.

18 Oskar Vetter, wurde von einem noch lebenden Zeitzeugen (Erich Droste) als hoher Nazi und Gestapo Funk-tionär beschrieben. Er trug auch im Gottesdienst der Immanuelskirche sein „goldenes Parteiabzeichen“. Das bekamen Mitglieder der NSDAP, die bis 1925 Parteimitglieder geworden waren, sogenannte „alte Kämpfer“ oder Menschen, die sich besondere Verdienste um für die Partei und ihre Ideologie erworben hatten. Im Stadt-archiv Bochum sind keinerlei Unterlagen über ihn erhalten, was auf eine Tätigkeit in der Gestapo oder SS hindeutet, denn solche Unterlagen sind in der Regel nicht in städtischen Archiven geführt worden. Zunächst war er Verwaltungsstellenleiter in Bochum Werne. Das ideologisch eingefärbte „Braunbuch“ aus der DDR Zeit (drei Auflagen bis 1968) nennt einen Oskar Vetter als Konsulatssekretär im Auswertigen Amt, Abteilung Deutschland. Wenn Name und Person tatsächlich identisch sind, dann hat ein Mitglied der Hermannshöhe aktiv an der „Endlösung der Judenfrage“ mit Göring, Himmler, Heydrich und Eichmann zusammengearbeitet. Denn die Abteilung Deutschland hat mit ihren Unterabteilungen tatsächlich zusammen mit dem Reichsicherheitshauptamt (RSHA) die Vernichtung der Europäischen Juden geplant und durchführen lassen. Die Diplomaten übernahmen dabei a) unter massiven Druck die Ausreise deutscher Juden aus dem Reich, deren Besitz zum größten Teil konfisziert worden ist, und b) alle nötigen Vorarbeit zum Abtransport der Juden in den besetzten europäischen Ländern in die Vernichtungslager, c) zusammen mit der Gestapo und dem SD fertigten Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes Listen an, die tausende Namen von Verhafteten, in KZ verbrachte und ermordete Menschen erfasste. Die Diplomaten wurden sogar über die Ergebnisse der Sonderaktionen informiert, so dass sie detaillierte Kenntnis von dem hatten, was sich an Massenerschießungen und sonstigen Aktionen im Osten abspielte. So spielten Beamte des Auswärtigen Amtes eine entscheidende Rolle im Holocaust. Dabei wurden einzelne Berichte in die jeweili-gen Länderreferate weitergeleitet. Referat Deutschland bedeutet, dass die Diplomaten und Mitarbeiter in diesem Referat genau wussten, mit welchen Methoden der NS Staat z.B. Juden aus „privilegierten Mischehen“ verfolgte. D.h. das Oskar Vetter bestens darüber informiert war, ja daran mitwirkte, wie es der Familie von Max Michaelis erging. Nach 1945 ist Vetter Kanzler am Generalkonsulat Johannesburg/Südafrika. Eine steile Karriere, trotz NS Vergangenheit! Trotz vieler Versuche ist es mir nicht gelungen, einen Abgleich der Identität durchzuführen. Es ist also Vorsicht geboten: Ist der Oskar Vetter aus Bochum wirklich der Oskar Vetter des Auswärtigen Amtes?

19 Den vier Töchtern der Familie Michaelis und von Erich Droste, einem Gemeindeglied der Immanuelskirche, der mit aktiven Widerständlern in Bochum verbunden war und durch sein Lebensumfeld regen Kontakt zu Juden in Bochum hatte. Droste, heute 94 Jahre alt, lässt keinen anderen Schluss zu: Vetter war hoher Nazi, ein Täter! Die Verhaftung von Max Michaelis führt Droste immer auf Vetter zurück. Zu dem Träger des „goldenen Parteiabzeichens“ Oskar Vetter sagte Erich Droste in einem Gespräch wörtlich: „Er war damit der Herrgott im Ruhrgebiet!“. Selbst der NS Bürgermeister der Stadt Bochum ist offensichtlich von Oskar Vetter abhängig ge-wesen. Ein Täter, der in unserer Gemeinde lebte! Die zu seinem politischen Werdegang versuchten Recherchen endeten allerdings alle im Nichts. Weder im Landesarchiv Münster (NRW), noch in der Zentraldatei der NSPAP Mitglieder in Berlin sind relevante Eintragungen bei Oskar Vetter belegt. Ebenso wenig gibt das Stadtarchiv Bochum her. Aber eine mündliche Auskunft des Stadtarchivars lässt aufhorchen: „Diese Akten wurden alle gesäubert, Akten von SS und Gestapo Angehörigen sind bereits in der Nazi Zeit aus den Archiven entfernt wor-den und in eigenen Archiven der NS Organisationen gesammelt worden“.

Der Bericht kann auch im Downloadbereich als PDF herunter geladen werden.