Tewolde Yohannes

Mennonitischer Flüchtling aus Äthiopien gründete elf Gemeinden in Europa

Tewolde Im Alter von 61 Jahren verstarb am 10. Januar 2008 Tewolde Yohannes. Er stammte aus einer mennonitischen Familie in Äthiopien und lebte seit über 25 Jahren in Bochum. In diesen Jahren gründete er elf Gemeinden in ganz Europa unter äthiopischen Flüchtlingen. Tewolde erlag den Folgen eines Herzinfarktes.

Bruder Tewolde Yohannes wurde am 23. März 1946 in Segeneyti geboren. Nach dem Schulbesuch in Eritrea und Tigray nahm er sein Studium der Physik im Jahre 1956 in der Universität in Addis Abeba Fachbereich Physik auf. Im Jahre 1961 schloss er sein Studium mit dem Bachelor of Science ab. Nach seinem Studium unterrichtete Tewolde an verschiedenen Schulen in Äthiopien und arbeitete als stellvertretender Schulleiter. Er war als Flüchtling nach Deutschland gekommen, als die damaligen kommunistischen Machthaber nach einem Militärputsch Christen im Land zunehmend unter Druck setzten.

Seine Frau Genet Eshete erzählt folgende Begebenheit: Unter dem Diktator Mengistu Haile Mariam war Tewolde Schulleiter der Hiwot Berhan Schule. Damals mussten alle an der Alphabetisierungskampagne der Regierung jeden Tag und jeden Abend - auch am Sonntagmorgen - teilnehmen. Sie erzählt, dass Tewolde sich den Gottesdienst nicht verbieten ließ. Dieses brachte ihm eine Menge Ärger mit der diktatorischen Regierung. Er wurde zeitweise unter Arrest gesetzt und zuletzt sogar in das gefürchtete Gefängnis „3" gesteckt, wo viele ihr Leben gelassen haben. Als er dort vorgeführt wurde und gefragt wurde, warum er am Sonntagmorgen nicht "alphabetisiert", so antwortete er, dass er am Sonntagmorgen Gottes Wort unterrichtet. Der untersuchende Polizist war von seinem Mut beeindruckt und sagte dann: „Das was du dort lehrst habe ich auch einmal gelernt. Du bist wahrhaftig ein aufrechter Mann." Und entließ ihn nach einer 3-tägigen Haft.

In Deutschland wurde Tewolde Mitarbeiter an der Ruhr-Universität in Bochum. In den letzen Jahren war er Doktorand an der Universität und befand sich in der letzten Phase seiner Promotion. Tewolde war ein Mensch, der es verstand, am Herzen Gottes zu leben, Gottes Eingreifen im Alltag zu erwarten, ein Zeichen der Liebe Gottes unter Menschen unterschiedlicher Generationen und Nationen zu sein. In Bochum leitete er eine 40 Mitglieder zählende äthiopische Zweiggemeinde der Evangelisch-Freikirchlichen Immanuelskirche.

Tewolde gründete äthiopische Gemeinden in Frankfurt am Main, München und acht weiteren europäischen Städten. Unter großer Anteilnahme von Christen aus ganz Europa und den USA haben ca. 400 Menschen am 17. Januar von ihm Abschied genommen. Am 20. Januar wurde sein Leichnam nach Adis Abeba überführt und in der Heimat beigesetzt. Tewolde hinterlässt seine Frau Genet Eshete und fünf Kinder.