1. So fing es an (1851-1874)

Bochum um 1850, eine kleine Kreisstadt mit weniger als 10.000 Einwohnern, noch unberührt von der Industrialisierung und Verstädterung, war von der Landwirtschaft geprägt. Der Steinkohlenbergbau lag im Anfangsstadium. „In den kleinen Stollenzechen schürfte allenfalls jeweils ein Dutzend Knappen, die vom Ruhm späterer Konzerne, Hüttenwerke, Walzstraßen und Verkaufssyndikate. nicht zu träumen wagten." So liest man es in einer unserer Stadtchroniken.

Gott gebraucht verschiedene Leute

Der Ehrenlandrat Adalbert von der Recke-Volmarstein auf Schloß Overdyck, sicherlich ein überzeugter Christ, veranlasst einen Mann namens Lindermann (aus Herzkamp, Kreis Schwelm), in der Weitmarer Gegend das Evangelium zu verkündigen. Gleich in der ersten Evangelisationsversammlung Anfang 1851 bekehrt sich der Bergmann Heinrich Meier und wird an einem frostigen Wintertag, am 16. März 1851, von Bruder Lindermann getauft; dazu muss in eine Eisdecke eine geeignete Taufstelle geschlagen werden! Heinrich Meier, der erste Baptist in der Bochumer Gegend, bewährt sich als Christ und als schlichter, aber vollmächtiger Zeuge Jesu, so dass der schon erwähnte Graf von der Recke-Volmarstein nicht nur auf ihn aufmerksam wird, sondern ihn persönlich ermuntert, das Evangelisieren fortzusetzen.

Noch ohne Gemeinde

Heinrich Meier scheint vorerst nichts bekannt zu sein von einem Zusammenschluss gläubig getaufter Christen zu einer Gemeinde, ebenso wie seinem Täufer Lindermann, der bald in seine Heimat zurückkehrt.
Bruder Meier beginnt damit, in sein primitives Haus zu Evangelisationsversammlungen einzuladen; der Eingang zum Versammlungsraum ist zugleich auch der Eingang zum Kuhstall. Mit Unterstützung pflichtgetreuer Behörden versuchen zwar die Pastoren der Landeskirche gelegentlich, gegen diese Versammlungen vorzugehen, doch das Werk Gottes kann nicht aufgehalten werden.

Verbindung mit der Grundschötteler Gemeinde

Eine entscheidende geistliche Weiterführung der im Hause Meier erweckten Leute wird durch F. Feldmann vermittelt, der in Blumenfeld bei Weitmar wohnhaft ist, am 19. August 1854 in Grundschöttel getauft und der dort gebildeten Gemeinde eingegliedert wird. Er ist ein Arbeitskollege Meiers und rät ihm eines Tages: „Junge, du moß mett noch Grundschöttel gahn!"
Dort erlebt Heinrich Meier eine biblisch orientierte Gemeinde. Seine Frau lässt sich 1856 in Grundschöttel taufen.

Erstes Baptistenhaus in Bochum

Als Glieder der Gemeinde Grundschöttel setzen sich fortan die beiden Glaubensbrüder Meier und Feldmann für die Ausbreitung des Evangeliums ein. Es wird auch in Stiepel, Eppendorf und Herbede missioniert. Einzelne Menschen lassen sich aus ihrer Gottlosigkeit und aus einem nur nominellen Kirchenchristentum in die freimachende, rettende Wahrheit rufen, die durch das Evangelium von Jesus Christus angeboten wird. Zu den ersten Bekehrten gehört der Herbeder Carl Sohn, dessen Glaubenszeugnis den Brunnenbauer Carl Thielker erreicht. Beide lassen sich 1857 in Grundschöttel durch Prediger Ringsdorf taufen.
Carl Thielker, ein Bochumer, ist damit der erste ansässige Baptist in unserer Stadt. Seine enge Verbundenheit mit Carl Sohn ergibt, daß dieser in Herbede Beheimatete im Jahr 1862 nach Bochum in das Haus seines Glaubensbruders zieht. Das noch heute erhaltene Haus in der Herner Str. 74 ist also für unsere Gemeindegeschichte von historischer Bedeutung. Die beiden Brüder Sohn und Thielker, mit Geistesgaben von Gott ausgerüstet, vorbildlich in ihrem persönlichen, familiären und beruflichen Leben, setzen sich für die Ausbreitung des biblischen Evangeliums ein. Sonntags nach Grundschöttel zu gehen, ist ihnen selbstverständlich.

Wachsende Missionsarbeit

Die Gemeinde Grundschöttel erkennt die missionarischen Möglichkeiten im Raum Bochum, so dass ab 1862 der Gemeindeprediger Gülzau und andere Brüder hier Verkündigungsdienste beginnen und unterstützen; hervorzuheben ist der Landwirt Carl Völker, ein Mitbegründer der Grundschötteler Gemeinde, der jahrelang Samstagnacht in Bochum eintrifft, um am Sonntag zu predigen und die Sonntagsschule zu leiten. Am Sonntagabend tritt er zu Fuß den Heimweg nach Grundschöttel an, weil er aus Gewissensgründen die Benutzung der Eisenbahn als Sonntagsentheiligung ansieht! Montag früh trifft man ihn wieder in seiner Landwirtschaft.

Der unermüdliche missionarische Einsatz in Weitmar, Eppendorf, Stiepel, Ostholz bei Linden, Wattenscheid und Bochum bleibt nicht fruchtlos: Durch die Taufe werden der Gemeinde in Grundschöttel hinzugetan Conrad Strieder und Frau (7. 3. 1869), Jakob Seelig (17. 6. 1869), H. Heitland und Frau und Wilhelm Ringelband (4. 11. 1871), der Vater des W. Ringelband (9. 3.1872), Fritz Sohn (8. 6.1872) und Johannes Seelig (10. 3.1873). Dieser langsam, aber stetig wachsenden Missionsarbeit wird Ende 1873, durch die Gemeinde Grundschöttel ein Prediger zugeführt, Carl Meyer aus Kiel. Die Entwicklung zu einer selbständigen Gemeinde zeichnet sich immer stärker ab, auch schon wegen der Entfernung zur Gemeinde Grundschöttel.