Missionsstudienreise nach Peru

Im Land der Ketschua

Die Hochanden: ein weites Land – Berge, soweit das Auge reicht. Trotz der Höhe (4.000 m) wachsen hier noch kleine Bäume, es gibt Felder und Ackerflächen, die in Terrassen auf steilen Abhängen angebaut werden. Alpakas, Lamas und Schafe grasen, Pferde und Kühe sieht man angepflockt vereinzelt auf abgeernteten Maisfeldern. Und mitten drin sitzen Frauen oder Kinder, in der Hand eine Spindel, mit der sie ganz nebenbei Wolle spinnen. Idylle pur – sollte man meinen.

Aber das Leben ist hier für die Bauern hart. Sie wohnen in einfachen kleinen Häusern aus Lehmsteinen, die sie selbst herstellen. Sie sind ein sehr fleißiges Volk. Tagaus, tagein arbeiten sie schwer, um dem kargen Land alles abzugewinnen, was sie selbst zum Leben brauchen.

Aber hungern müssen sie nicht– jedenfalls nicht, solange keine Natur-katastrophen ihre Lebensgrundlage zerstören, was leider alle Jahre wieder geschieht.

Beeindruckend und faszinierend so beschreiben wir dieses Land, das wir besuchthaben. Wir, das ist eine 15-köpfige Reisegruppe aus Deutschland, der Schweiz und Österreich zusammen mit Carlos Waldow, dem Missionssekretär von EBM MASA. Auf unserer Missionsstudienreise begleitete uns auch Adrián Campero, Missionar in der weitläufigen Region von Apurímac.

Zunächst standen touristische Ziele auf dem Programm. Viele Inka-Ruinen wurden besucht, natürlich auch Machu Picchu, die gut erhaltene Ruinenstadt mit alten Inka-Tempelanlagen mitten in den Bergen.

Wir lernten über und hörten von den alten Inka-Kulturen und uns wurden Zusammenhänge aufgezeigt, wie sich der Katholizismus, der von der Kolonialmacht Spanien ins Land gebracht wurde, mit den Urreligionen der indigenen Bevölkerung vermischt hat. Das ist auch noch heute so und hat Konsequenzen für die Missionsarbeit der EBM international im Land.

Der zweite Teil unserer Reise war jedoch noch wesentlich eindrucksvoller. Wir fuhren weite Strecken durch einsame Gegenden und besuchten dort die Baptistengemeinden und Missionsstationen.

Oftmals hatten wir das Gefühl, am Ende der Welt gelandet zu sein, und doch: Dort leben Menschen, und es gibt sogar schon Baptistengemeinden! Wir wurden überall liebevoll empfangen und die Geschwister bedankten sich bei uns tief gerührt für alle Hilfe, die sie von EBM international/ MASA empfangen haben. Das berührte uns sehr.

Auszug aus dem Gruppenreisetagebuch:

„Dienstag: Stundenlang fahren wir über eine vielfach gewundene Pass-Straße auf 4.000m hinauf, kurz davor – ein Melonenfeld! Sehr eigenartig ist das: Zu sehen, welche Felder in dieser Höhe möglich sind, welch vielfältige Vegetation da existiert. Ein grandioser Rundblick oben, dann endlose Schleifen bis ins nächste Tal und Ziel: Lambrama, etwa 1.000 Einwohner. Aus der Tür der Baptistenge- meinde, einem kleinen Lehmhaus, quellen viele kleine Leute heraus, 18-20 Leute jeglichen Alters. Sie sind extra wegen uns gekommen.

Auch Schwester Timotea, ein winziges Weiblein methusalemischen Alters – sie kann seit Carlos`Gebet für sie vor zwei Jahren wieder laufen, so erzählte sie uns.

Die Geschwister haben Essen vorbereitet für uns – lecker gebratenen Fisch, blaue Kartoffeln und Holluco, eine Kohlart.Wir beten für ihren Missionar und über zwei junge Leute, bevor wir uns verabschieden. Auf die Frage, was sie sich von uns wünschen antworten sie: Schulung und Hilfe zum how-to-do.

Dann Weiterfahrt. In ungezählten Straßenwindungen hinab in die Stadt Abancay zurück zu unserer Unterkunft. Abends dann Essen und Gottesdienst in der Gemeinde dort.

Welch ein Kontrast zur Gemeinde heute Vormittag in Lambrama!Statt der Ketschua-Gesänge dort, singen hier modern gekleidete Geschwister westlich geprägte Anbetungslieder.“

Der letzte Höhepunkt unserer Reise war die Missionskonferenz der Ketschua-Gemeinden aus der Provinz Abancay. In dieser Region begann Adrián Campero vor 28 Jahren mit einer Missionsarbeit, als es hier noch keine Gemeinden gab. Heute stellt das jährliche Missionsfest einen Höhepunkt der Baptisten aus mittlerweile 40 Gemeinden bzw. Missionsstationen in der Region dar. Ein großes Zelt wurde aufgestellt, Holzbänke aus allen umliegenden Missionsstationen hergebracht. Unsere Gruppe fragte sich, woher hier in dieser einsamen Gegend die Teilnehmer kommen sollten? Aber sie kamen: bis zu 1.000 Ketschua, die teilweise mehrstündige beschwerliche Fußwege durch die Berge auf sich nahmen, um beim viertägigen Fest dabei zu sein.

Auf dem Programm standen: biblische Lehre, Wettbewerbe bei Sportspielen und in Bibelkenntnissen, gemeinsames Kochen und Essen und eine Taufe.

Auszug aus dem Gruppenreisetagebuch:

„Samstag: Es geht für die Gruppe wieder los zur Missionskonferenz. Dort kommen wir gegen 9 Uhr an, es scheint noch alles still zu sein, aber wir bemerken erstaunt, dass das große Zelt schon mit Menschen gefüllt ist. Wir freuen uns auf das große Tauffest. Die 65 Täuflinge werden im Zelt namentlich aufgerufen, sie gehen nach vorn zu ihren Pastoren. Dann geht’s draußen los: Jeder Zuschauer sucht sich einen Platz, von dem er gut sehen kann. Das Wasser wurde in den Vortagen in das ehemalige Forellenbecken eingelassen – kaltes Gletscher-Schmelzwasser. Sieben Pastoren, steigen ins Wasser.

Nun klettern nacheinander immer sieben Täuflinge über eine Leiter in das Becken, bis alle 65 getauft sind. Es wird geklatscht und gesungen. Nach der Taufe treffen sich alle wieder im Zelt, dort werden die neuen Geschwister gesegnet.“

Zur Mittagszeit erreicht uns als Gruppe eine besondere Einladung: Extra für uns wird Cuy – Meerschweinchen – gegrillt. Premiere! Wir schauen alle etwas skeptisch, aber neugierig, was uns da serviert wird. Das Fleisch bedeckt den ganzen Teller, darunter befinden sich dicke Bohnen. Wir kosten vorsichtig: Es schmeckt nach Huhn, eigentlich ganz gut.Taufe und Meerschweinchen-Essen: zwei Höhepunkte unserer Peru-Reise an einem Tag!

Auszug aus dem Gruppenreisetagebuch:

„Sonntag: Der wilde Verkehr in Cusco bestätigt, dass wir die „ruhige“ Welt in den Bergen um Curahuasi verlassen haben. Angekommen am Flughafen verabschieden wir uns von den insgesamt fünf Missionaren, die gemeinsam mit Adrian Campero die letzten Tage mit uns gemeinsam verbracht haben und auch von Carlos Waldow– sie werden die kommenden zwei Tage gemeinsam hier in Klausur gehen.“

Ein Teil unseres Herzens bleibt ganz bestimmt bei den Menschen in Peru.

 Martina y Jochen Wendt